Ausführliche Informationen über die

FIBROMYALGIE

Leider ist es auch heute noch so, daß viele Ärzte, aber auch Krankenkassen und Rentenversicherungen Fibromyalg ie patienten nicht richtig ernst nehmen, mit der Folge, daß sie häufig in psychosomatische Einrichtungen regelrecht "abgeschoben" werden. Aber so einfach geht das jetzt wohl nicht mehr, denn:

Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten. Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden, er muß also nicht irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren sondern kann unter Hinweis auf das Urteil gleich Widerspruch einlegen. Hier gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik

In den Krankheitsstatistiken taucht die die Diagnose "Fibromyal gie" zunehmend häufiger auf, aber nicht etwa, weil die Krankheitsfälle zugenommen haben, sondern weil die Fibromyalg ie zunehmend eher erkannt bzw. diagnostiziert wird. In den Jahren 2003 und 2004 sahen wir in der Praxis jeweils ca. 60 Fälle, mit dem Unterschied, daß wir 2003 bei ca. 50 Patienten diese Krankheit erkannten und als Erst-Diagnose feststellten. Im Jahr 2004 war bei ca. 35 Patienten die Fibromyalg ie bereits bekannt.

Diese Seite soll dazu beitragen, die Fibromyalgie möglichst frühzeitig zu erkennen, damit die betroffenen Patienten rasch einer adäquaten Therapie zugeführt werden können und damit meinen wir die Spezielle Schmerztherapie

Die Fibromyal gie ist eine häufig auftretende Schmerzerkrankung, die nicht auf bestimmte soziologische und ethnische Gruppen sowie Rassen beschränkt ist.  Ca. 0,7 bis 3,2% der Bevölkerung sind von dieser Krankheit betroffen, Frauen 5-10 mal häufiger als Männer. Die Fibromyal gie tritt am häufigsten bei Frauen zwischen 20 und 50 Jahren auf, ist aber auch bei älteren Patienten immer wieder anzutreffen.

Die Fibromyalgie ist durch eine Vielzahl diffuser, breitflächiger, spontan schmerzhafter Regionen mit wechselnden "rheumatischen" Beschwerden im muskuloskelettalen (= Muskeln und Skelett betreffenden) System bei insgesamt deutlich erniedrigter Schmerzschwelle gekennzeichnet. Es liegt eine Kombination von psychischen, neurologischen und funktionellen Störungen vor.

Die Fibromyalgie kann mit folgenden Symptomen (= Krankheitszeichen) einhergehen:
(Quelle: Prof. Dr. W. Müller, Prof. Dr. Wolfe, Prof. Dr. P.A. Berg)

Tender-Points (= Schmerzdruckpunkte)

90,1-100 %

Myalgien (= Muskelschmerzen)

80-97,6 %

Hyperhidrosis (= krankhaft vermehrt Schweißbildung)

76 %

Morgensteifigkeit

67-77 %

Arthralgien (= Gelenkschmerzen)

60 %

Unverträglichkeitsreaktionen / Allergien

60 %

Kopfschmerzen / Migräne

52,8-95 %

Depressionen

31,5-51 %

Chronische Müdigkeit

50-81,4 %

Kolon irritabile (= Reizdarmsyndrom)

29,6-40 %

Dysmenorrhoe (= schmerzhafte Regelblutungen)

40 %

Subjektive Schwellungen

38 %

Schlafstörungen / fehlende Tiefschlafphase

74,6-92 %

Konzentrationsschwäche

32 %

Abgeschlagenheitsgefühl

32 %

Schwindelgefühl

27 %

Parästhesie n (= Kribbeln, Prickeln, Taubsein)

21-62,8 %

Ekchymosen (= kleine fleckige Blutungen / blaue Flecken)

20 %

Sicca-Symptome (= Trockenheit der Schleimhäute)

35,8-77 %

Subfebrile Temperaturen (37,1 – 38,0°)

11 %

Blasenschmerzen bei Reizblase

10-26,3 %

Raynaud Syndrom (= Durchblutungsstörung der Hände u. Füße)

15-16,7 %

Tachykardie/Arrhythmie (= erhöhte bzw. unregelm. Herzfrequenz)

24-50 %

Hinzuzufügen wären noch das Restless legs-Syndrom (= unruhige Beine), das bei ca. 40% unserer Fibromyal gie patienten vorlag. Erwähnenswert ist noch eine neuroendokrine Dystonie (= Drüsen- und Nervenstörungen) (Hoerster 1997).

Der Symptomkomplex "Müdigkeit" zeichnet sich aus durch: Überschießende Reaktion auf physischen und psychischen Streß mit rascher Ermüdbarkeit und rascher Erschöpfung, geringere Belastbarkeit, Leistungsschwäche und Konzentrationsstörung. 
Die Schlafstörung betrifft besonders die Tiefschlafphase IV (Non-REM-Phase), verursacht ein Gefühl der Zerschlagenheit und verhindert einen erholsamen Schlaf. 
Depression
und andere psychische Störungen bestehen bei mehr als 50% der Fibromyal giepatienten; häufige Kombination von emotionalem und psychischem Dys streß.

Regelmäßig finden sich bei der Fibromyal gie druckschmerzhafte Punkte an 18 (2x9) definierten Stellen (Tender points):

Umgekehrt gibt es bei der Fibromyal gie 13 (1+2x6) nicht druckschmerzhafte Kontrollpunkte:

In der Regel können bei der primären Fibromyalg ie keine Organerkrankungen aufgedeckt werden, die Röntgenbefunde sind normal, ebenso die Laborwerte (Entzündungsparameter, Diff. Blutbild, Rheumaserologie, Immunglobuline und Muskelenzyme). In 30-70% sind die Antikörper gegen Serotonin, Phospholipide, Ganglioside und Nukleoli positiv. Die Muskel biopsie (= mikroskopische Gewebeuntersuchung) ist unauffällig. 

Die Komplexität der Fibromyal gie symptome läßt großen Spielraum für differentialdiagnostische Erwägungen
(= welche Krankheit sonst noch in Betracht kommen könnte):

Ätiologie (= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) der Fibromyal gie sind noch unbekannt und führen zu kontroversen Spekulationen. 
Die Tatsache, daß bei vielen dieser Patienten keine psychologischen Besonderheiten nachzuweisen sind, spricht nach Wolfe (1984) gegen eine primär psychogenetische
(= in der Psyche begründete) Erklärung der Fibromyal gie. Die psychischen Besonderheiten bei einer Reihe von Patienten könnten auch sekundär durch den Krankheitsverlauf aufgetreten sein. Nicht selten bestehen Partnerschaftskonflikte (Hansen 1991).
Differentialdiagnostisch
(= welche Krankheit sonst noch in Betracht kommen könnte) ist zu bedenken, daß sich hinter einer scheinbar monokausalen Panalgie (= durch 1 Krankheit verursachter Ganzkörperschmerz) auch ein psychisch verursachtes Schmerzsyndrom verbergen kann.

Therapie
Das komplexe Beschwerdebild der Fibromyalg ie erfordert eine stationäre interdisziplinäre, multimodale
(= mehrere Maßnahmen beinhaltende) Therapie im Rahmen der "speziellen Schmerztherapie". 
Bei multikausaler Genese
(= durch verschiedene Krankheiten verursachte Entwicklung) der Pana lgesie werden die einzelnen Schmerzbilder entsprechend ihrer Dominanz behandelt. Da in der Regel die Schmerzschwelle herabgesetzt ist, ist eine begleitende schmerzdistanzierende Medikation mit einem tri- oder tetrazyklischen Antidepressivum (z.B. Doxepin, Maprotilin), evtl. vorübergehend auch in Kombination mit einem Neuroleptikum (z.B. Levomepromazin) sinnvoll.
Hilfreich ist bei Fibromyalg ie auch eine 3-4 tägige psychovegetative Entspannung durch eine sogenannte "Schlafkur". Zur wiederholten Schlafinduktion verwenden wir 1-2 mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol ®), zusätzlich geben wir 1-2 mal täglich 40 mg Prothipendyl (Dominal forte ® ).

Zunächst sollte der Patient über die prinzipiell gutartige Natur der Erk rankung aufgeklärt werden, wobei aber mögliche Folgen einer Chronizität (psychosoziale Aspekte, Risiken einer ständigen Medikamenteneinnahme) nicht verschwiegen werden sollten. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient kann den bis dahin unbefriedigenden Verlauf durchbrechen. Es ist aber auch zu bedenken, daß weitere erfolglose Therapieversuche erneut zu Enttäuschungen führen können, die einer weiteren Chronifizierung Vorschub leisten.

Des weiteren ist ein therapeutisches Vorgehen erforderlich, das den multifaktoriellen Ursprung der Fibromyalg ie berücksichtigt. Dazu gehört insbesondere eine begleitende psychologische Schmerzbehandlung, die zu einer Verbesserung der Schmerzverarbeitung bzw. Erhöhung der Schmerztoleranz beiträgt. 
Eine schmerzdistanzierende, antidepressive Behandlung sollte bei Patienten mit Fibromyalgie frühzeitig eingesetzt werden, zumal damit auch eine Besserung der häufig bestehenden Schlafstörungen zu erreichen ist. 
Periphere Analgetika
(= Schmerzmittel) können versucht werden, überwiegend ist damit jedoch keine zufriedenstellende Schmerzreduktion zu erreichen. Auch der Einsatz von Opioiden (z.B. Morphium) ist oftmals enttäuschend. Eher sahen wir eine positive Wirkung bei Verabreichung von Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Mus keln), vor allem Tolperison (Mydocalm®). Alternativ kann Baclofen (z.B. Lioresal®) verordnet werden. 
Auch die
therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form einer Triggerpunkt-Behandlung (= Behandlung von umschriebenen Reizzonen), Infiltrationen besonders schmerzhafter Körperbereiche, aber auch Nervenbetäubungen, falls notwendig sogar kontinuierlich mit Katheter (= eingepflanztem Kunststoffschlauch), ist bei der Fibromyalg ie oftmals hilfreich. Bei Vorliegen einer sympathischen Überaktivität sind epidurale (= rückenmarknahe) oder periphere Sympathikusblockaden (= das vegetative Nervensystem betreffende Blockaden), auch kontinuierlich mit Katheter, erfolgversprechend.
 
Physiotherapeutische Behandlungsmaßnahmen
(u.a. Krankengymnastik) werden im Anfangsstadium der Fibromyalgie meist als angenehm empfunden und steigern damit das körperliche Wohlbefinden. Sie sollen dazu beitragen, den Patienten mehr Vertrauen zum eigenen Körper zu vermitteln und die Mobilität zu steigern. Werden z.B. nur Massagen verordnet, besteht die Gefahr, daß sich passive Tendenzen im Krankheitsverlauf verstärken. Ohnehin sind die üblichen Massagebehandlungen (Ausnahme: Spezialmassagen wie. z.B. Bindegewebsmassagen oder Lymphdrainagen) aus schmerztherapeutischer Sicht völlig entbehrlich und werden von uns auch nicht mehr verordnet.
Erwähnt sei noch die Wärmekammer, die bei manchen Patienten mit einer Fibromyalg ie zu einer deutlichen Beschwerdereduktion führt.

Bei einer fortgeschrittenen Fibromyalg ie ist die notwendige krankengymnastische Therapie meist schmerzbedingt nicht oder nur sehr eingeschränkt durchführbar, so daß übliche Rehabilitationsbehandlungen mit dem Schwerpunkt "Physiotherapie" zwar nicht umsonst, in aller Regel aber vergeblich sind. Der große Vorteil einer gezielten Schmerzrehabilitation ist der, daß den krankengymnastischen Beübungen jeweils eine intensive ärztliche Behandlung vorgeschaltet werden kann. Mit der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) läßt sich die Schmerzempfindung deutlich herabsetzen, so daß dann eine sinnvolle Krankengymnastik erfolgen kann.

Nur die konsequente Durchführung der genannten Therapiemaßnahmen im Rahmen der speziellen Schmerztherapie kann bei Fibromyalgie eine, manchmal sogar eindrucksvolle Beschwerdelinderung bewirken.

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Aktualisiert: 23.05.06 k u
A
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B
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U Überlastungssyndrome, Ulcera cruris (www.ulcera-cruris.de), Ulcus cruris, Ulkus cruris
Ulnartunnelsyndrom, Uncarthrose (www.uncarthrose.de)
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www.norderney-insel-hotel.de/norderney-hotel
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k u 30.05.06 www.1-fibromyalgie.de
www.1-fibromyalgie.de/gelenksentzuendung    www.1-fibromyalgie.de/malignom-schmerztherapie